Erzstef Manufaktur - feine Bettwaren aus dem Erzgebirge

Erzstef - Bettdecken sind rein natürliche, handwerklich gefertigte Qualitätsprodukte, die alle ökologischen
Standards erfüllen und ausschließlich in Deutschland hergestellt werden.
Ein Anspruch, der auch für unser Sortiment sehr wichtig ist.
Wir haben uns sehr gefreut, dass Herr Hoertzsch, Geschäftsführer von Erzstef einem Interview zugesagt hat.

Ulrich Gaupp

Marketing & Produktentwicklung
Neonatura / Futonwerk

Olaf Hoertzsch

Geschäftsführer
erzstef

Ulrich Gaupp

Marketing & Produktentwicklung
Neonatura / Futonwerk

Olaf Hoertzsch

Geschäftsführer
erzstef

1. Herr Hoertzsch, die Materialien, mit denen Sie arbeiten sind haptisch wunderschön, aber sind sie auch regionalen Ursprungs?

Ja, unsere Schurwolle kommt aus Süddeutschland, also ganz aus der Nähe, und ist in unseren Decken auch aus kontrolliert biologischer Tierhaltung. Alleine bei den Wollflocken in unseren Kissen verarbeiten wir „normale“ süddeutsche Merinoschurwolle.

2. Sie verarbeiten keine Wolle aus Australien oder Neuseeland?

Nein, uns ist es wichtig, dass unsere Rohstoffe nicht um den halben Globus geschifft werden. Sie kommt aus unserer Region und hat besondere Eigenschaften, die sich für unsere Produkte sehr gut eignen. Unsere Wolle wird in Belgien sanft gewaschen und dann bei uns traditionell zu Deckenvliesen verarbeitet. Australische oder Neuseeländische Wolle hingegen wird in der Regel in Kleidung verarbeitet.

Vorbereitung für die Steppung einer Bettdecke aus Schafschurwolle


Automatische Steppung der Bettdecke

3. Tradition ist auch bei Erzstef ein Thema, auch in Kombination mit sehr modernen Produktionsanlagen.

Wir arbeiten noch mit sehr mechanischen „Krempelmaschinen“, die aber bei regelmäßiger Wartung sehr zuverlässig Ihren Dienst tun. Wir investieren allerdings immer in moderne Steppautomatik und Nähtechnik.

4. Zu guten Produkten gehören auch immer gute Lieferanten.

Ja, und neben der Kundenähe ist die Lieferantennähe für uns existenziell wichtig. Dabei ist es notwendig, dass alle Beteiligten gut vom dem Geschäft leben können. „Leben und leben lassen“ ist uns wichtiger als der letzte Cent im Einkaufspreis, genauso der lokale und regionale Bezug.


5. Wo wird Ihre Wolle gereinigt?

Die Firma Traitex in Belgien ist für die Wollreinigung die erste Referenzadresse in Europa - ein traditionsreiches Unternehmen, das seit 1899 existiert. Leider ist es aktuell auch durch die Flutkatastrophe arg in Mitleidenschaft gezogen, so dass es sogar zu Wollengpässen kommen kann.

6. Bei unserem Rundganghaben wir den Eindruck erhalten, dass überwiegend Frauen bei Erzstef beschäftigt sind?

Das ist so. Wir sind mit nur 4 Männern in der klaren Minderheit. Bei uns läuft alles sehr familiär und ich würde auch sagen, entspannt. Qualität ist für uns auch wichtiger als Geschwindigkeit. So gibt es bei uns auch keine Leistungsentlohnung. Obwohl die heutige Arbeitswelt ja nicht mehr auf „endlos“ angelegt ist, haben wir MItarbeiterInnen, die uns über 40 Jahre die Treue gehalten haben.

7. Das ist auch ein Beleg für das Knowhow Ihres Unternehmens?

Unsere Modellbreite und -tiefe erfordert in der Tat ein gutes Knowhow. Nach 1-2 Jahren ist man bei uns dann mit allen Themen gut vertraut, es braucht also immer Geduld, und zwar als Arbeitgeber und als Arbeitnehmer. Wir haben ja auch Konkurrenz mit VW etc., die deutlich höhere Löhne zahlen können.

Traditionelle „Krempelmaschine“ von Erzstef

Wollreinigung bei „Traitex“ in Belgien


8. Erzählen Sie etwas über die Historie der Firma Erzstef.

Wir wissen gar nicht ganz genau, wann die Firma tatsächlich gegründet wurde, da das Kurzwarengeschäft früher ein fahrendes Gewerbe war. Im Juli 1913 wurde aber das erste Ladengeschäft hier in Ehrensfriedersdorf eröffnet, das dann als Unternehmensursprung gilt. In den 20er Jahren wurden bereits am jetzigen Standort Bettwaren genäht.

Im Jahr 1959 drohte die Verstaatlichung, die durch einen glücklichen Zufall vermieden wurde. Ein russischer Offizier setzte sich dafür ein, dass Uniformen nach dem Krieg aufgearbeitet wurden, die Firma in den 50er Jahren gedeihen konnte und somit erst später ein VEB entstand, der dann wieder in den 90er Jahren von der Treuhand an unsere Familie verkauft wurde.


9. Sie führen jetzt die Firma in 4. Generation, was macht denn Ihre Firma aus?

Als Allererstes: wir lieben unsere Nische mit sauberen, ehrlichen Lösungen für unsere Partner, oft mit kundenindividuellen Produkten. Dabei ist uns die traditionelle Ausrichtung viel wichtiger als das Aufspringen auf Modetrends.
Wir möchten gute, vernünftige Produkte anbieten und natürliche Limits nicht bewusst außer Kraft setzen, zum Beispiel durch zu dünne Vliese in Bettdecken.

10. Wie sehen Sie die Zukunft von Erzstef?

Wenn man erfolgreich ist und gut, dann wächst man automatisch. Wir planen unser Wachstum nicht, sondern versuchen, Engpässe aufzulösen durch Investitionen in Gebäude, Lagerflächen und Maschinentechnologie. Da aktuell die Zuverlässigkeit in den Lieferketten nachgelassen hat, ist auch eine intelligente Lagerhaltung ein Wettbewerbsfaktor.


Wir möchten natürliche Qualität fühlbar machen. Schöne glaubwürdige Produkte sind dabei ein wesentlicher Schlüssel. Dafür wird Erzstef nicht nur heute, sondern auch in Zukunft stehen.